"Kein altes Übel ist so groß, dass es nicht von einem neuen übertroffen werden könnte."
Wilhelm Busch
Mein Schlaganfall
Ich hatte 2001 einen Schlaganfall.
Als ich meinen Schlaganfall erlitten habe, war ich 20 Jahre alt.
Ich war gerade in der Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten in Stuttgart.
Ich bin Montagfrüh gegen 6:30 Uhr ( 5.11. 2001) aufgewacht, und mein linkes Bein hat so „komisch gekribbelt“ ähnlich wie eingeschlafen. Mir war auch schwindlig, und ich bin dauernd irgendwo angeeckt. Ich bin dennoch auf Arbeit gegangen, weil ich mir nix dabei gedacht habe. Wie ich den Weg zur Arbeit mit Bus und Bahn geschaft habe, ohne hinzufallen, frag ich mich heute noch.
Auf Arbeit bin ich dann erstmal die Treppen hoch gestolpert. Dabei hab ich mir aber immernoch nichts gedacht, weil ja jeder mal stolpert.
Nach ca. einer Stunde fing dann auch noch mein linker Arm zu kribbeln an, das kam mir dann doch spanisch vor, und ich bin zum Betriebsarzt gegangen. Das war so gegen 8:30 Uhr. Der ließ mich ein paar mal hin und her laufen, und hat dann angeordnet, das ich zu meinem Hausarzt gefahren werden sollte. Was auch sofort geschah. Mein Hausarzt ließ mich auch hin und her laufen, (und noch andere Dinge machen, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann) Er äußerte dann sehr leise und vorsichtig den Verdacht auf Schlaganfall. Er rief im Krankenhaus an, und ließ ein Bett für mich reservieren. Dann ließ er mich mit dem Krankenwagen ins Bürgerhospital in Bad Cannstatt schaffen. Vorher fragte er mich allerdings noch, ob ich Drogen genommen hätte.
(Warum nur werden Schlaganfälle bei Jugendlichen nicht ernst genommen???!!!)
Der Krankenwagen fuhr weder schnell, noch mit angeschalteter Sirene
Im Krankenhaus mußte ich dann erstmal ewig auf ein Bett warten, als ich dann endlich eins bekam, war es schon Mittag. Die wichtigen Stunden, in denen man noch was hätte machen können, waren also verstrichen. Zwischendurch wurde ich immer mal untersucht, und es viel öfters der Begriff Schlaganfall.
Gut, nun wußte ich als relativ gesunder junger Mensch nicht all zuviel damit anzufangen, außer, das alte Leute mal Schlaganfälle kriegen. Bei einer Untersuchung, sollte ich mich am Ende wieder anziehen, ich wollte meine Hosen im stehen an ziehen (wie man das ja als gesunder Mensch so macht) und bin beim stehen auf dem linken Bein nach links umgefallen, und voll auf den Bürostuhl meines Arztes.
Dann haben die Ärzte endlich den ernst der Lage erkannt, und ich bin auf die „Stroke Unit“ verlegt wurden. Es wurden dann ein EEG, CT und MRT gemacht. Dabei haben die Ärzte dann auch endlich gesehen, das ich einen „ Hirninfarkt im Mediastromgebiet rechts“ habe.
Am 1. Tag danach konnte ich schon nicht mehr laufen. (Ob ich vielleicht schon Montagabend nicht mehr Laufen konnte, weiß ich nicht mehr.) Meine Mutter berichtete mir später, das meine linke Gesichtshälfte auch gelähmt war, der linke Mundwinkel hing total herunter, und dadurch hab ich undeutlich gesprochen. Es wurden wieder Untersuchungen gemacht, und meine Eltern kamen. Sie veranlassten, das ich am 2. Tag danach nach Leipzig, in die Uniklinik verlegt werden sollte. Am Nachmittag (noch in Stuttgart) kam schon eine Krankengymnastin, was sie aber genau mit mir machte weiß ich nicht mehr. Am 3. Tag (Mittwoch) gings dann in die Stroke Unit der Universitätsklinik Leipzig. Das war erstmal eine Umstellung!
Auf der Stroke Unit in Stuttgart lag ich in einem Zwei-Bettzimmer und Besuch konnte immer da sein. Die Stroke Unit in Leipzig bestand nur aus einem einzigem Zimmer. Es standen 6 Betten da drinn, und es war bunt gemischt (m/w) Ich hatte nicht mal eine Klingel, um mich bemerkbar zu machen. Wenn man mal mußte, oder sonst irgendwas wollte, mußte man laut rufen. Besuchszeit war nur eine Stunde am Tag, und es durfte immer nur eine Person zum Patienten. (Bei 6 Patienten im Zimmer ging das aber auch nicht anders.)
In Leipzig wurden nochmal MRT und EEG Untersuchungen gemacht.Auserdem noch eine Lungenspieglung, und eine Knochenmarkspunktion. Ich habe jeden Tag eine Heparinspritze in den Bauch bekommen, und die Anti-Babypille wurde – als möglicher Auslöser – abgesetzt.
Ich habe die ersten Tage alles eher wie in Trance erlebt. Ich kann mich nicht an alles erinnern. Vieles hab ich mir im Nachhinein von meiner Mutter berichten lassen.
Ich bekam jeden Tag Krankengymnastik. Ich lief mit Hilfe sogar schon wieder. (Einer hielt mich, und einer setzte meine Füße)
1 ½ Wochen nach dem Schlaganfall kam ich dan in das „Neurologische Rehabilitationszentrum Bennewitz“.
Ich hatte jeden Tag Krankengymnastik und Ergotherapie. Und ich mußte auch zum Psychologen, was sich als sehr uneffektiv herraus stellte. Die Therapien befanden sich auf der Station, auch gegessen wurde auf der Station.
Ich wurde von Heparin auf Falithrom umgestellt. Ich machte gute Fortschritte, und konnte auch schon bald auf das Laufband. Ich wurde dort gesichert, wie ein Bergsteiger. Ein Therapheut hielt meinen Oberkörper gerade, und ein Anderer setzte meine Füße. In der Reha konnte man auch an vielen Veranstaltungsangeboten teilnehmen.
Die Weihnachtsfeiertage durfte ich nach Hause. Als ich wieder in der Klinik war, traten plötzlich starke Schmerzen im linken Knie auf. (Die Schmerzen haben sich später als Salmonellen im Knie herausgestellt.)
In der Rehaklinik, habe ich mit der Ergotherapeutin das selbstständige an- und ausziehen geübt. Als ich mich selbst an und ausziehen konnte, bin ich auf eine andere Station verlegt wurden, bei dem ich viel selbstständiger wurde. Ich fuhr mit dem Rollstuhl zu den Therapien, und zum Essen. Ich habe auch Hirnleistungstraining am Computer gekriegt. Da die Schmerzen im Knie immer schlimmer wurden, konnte ich keine richtige Krankengymnastik mehr machen. Deswegen wurde ich Ostern 2002 aus der Reha entlassen.
Zu Hause ist dann 2 x in der Woche eine Krankengymnastik ins Haus gekommen. In der Wohnung fing ich auch schon langsam an mit Stock zu laufen. Am 1.Juli mußte ich dann erstmal zur Knie OP ins Krankenhaus, wo ich 4 Wochen bleiben mußte. Bei der OP wurde das linke Knie vollständig aufgeschlitzt, die Salmonellen entdeckt, und entfernt. Seit der OP ist das linke Knie nur noch bedingt beweglich.Ich kann das Knie nicht vollständig beugen, und somit mich nicht hinknien, nach einem Sturz ist das Aufstehen deshalb sehr schwierig. Die Rehabilitation ist allso durch das unbewegliche Knie sehr erschwert.
Ich bekam zu Hause wieder Krankengymnastik. Und übte auch alleine in der Wohnung, bald konnte ich wieder in der Wohnung mit Stock laufen. Später dann lief ich ohne Stock, was aber nur ging, weil man sich in der Wohnung ja zur Not festhalten kann.
Ende Oktober 2002 bis März 2003 war ich dann in der „Tagesklinik für kognitive Neurologie“ des Universitätsklinik Leipzig. Ich wurde mit dem Fahrdienst geholt und gebracht. Am Tag über hatte ich dann Psychologie, Krankengymnastik und Ergotherapie. Während des Tagesklinikaufenthalts, hat sich mein Laufen sehr verbessert, so das ich am Ende auch auf der Straße keinen Rollstuhl mehr brauchte.
Ich bin immernoch gehbehindert und der linke Arm ist gelähmt, ich kann ihn nicht benutzen. Mein Grad der Behinderung liegt bei 100% + Merkzeichen aG (außergewöhnliche Gehbehinderung) und B (die Notwendigkeit einer ständigen Begleitung ist nachgewiesen) Ich bin wieder sehr selbstständig geworden, auch wenn ich immer mal wieder stürze.
Ich gehe 2 x in der Woche zur Krankengymnastik, dort wird nach „Bobath“therapiert.
Mir wurde von den Ärzten erklärt wie es zu dem Schlaganfall kommen konnte:
Ich war ja nun wirklich noch relativ jung, und hatte keine typischen Schlaganfall-Risikofaktoren.
Ich habe aber eine Grunderkrankung: „systemischer Lupus erythemathodes“ zu dieser Erkrankung ist dann ohne, das es jemand bemerkt hat, das (sekundäre) Anti-Phospholipidsyndrom dazu gekommen (das wurde nach dem Schlaganfall diagnostiziert). Das APS ist eine Blutgerinnungsstörung und kann Thrombosen verursachen (z.B. im Bein, Hirn).
Und ich habe eine Thrombose im Gehirn gekriegt (= Schlaganfall).
Diagnose: Hirninfarkt im Mediastromgebiet rechts mit sensomotorischer Hemiparese links
Ich muss mein ganzes Leben lang Falithrom (Gerinnungshemmendes Medikament) nehmen.
Wenn man Falithrom nimmt, muss man regelmäßig sein Blut kontrollieren (Den INR-Wert) Ich habe dafür, das CoaguChek S System. Das ist so ähnlich wie Blutzuckermessen, man muss sich nur in den Finger stechen, und einen Tropfen Kapilarblut auf einen Teststreifen geben.
Es spart eine Menge Zeit, weil man nicht mehr 1 mal in der Woche zum Hausarzt gehen muß.